Der Blutkreislauf des Menschen.

Der menschliche Blutkreislauf mit dem Herz als Motor und einem mehr als 100.000 km langem Netz aus Blutgefäßen arbeitet in jeder Minute unseres Lebens auf Hochtouren. Das Herz schlägt selbst in Ruhe bis zu 100 Mal pro Minute und pumpt dabei etwa 5 Liter Blut durch den Kreislauf. Der Blutkreislauf sichert unser Überleben indem der gesamte Körper und jede einzelne Zelle mit Blut versorgt wird. Mit dem Blut als Transportmittel werden sämtliche Organe, das Gehirn, die Muskulatur sowie das Gewebe mit Sauerstoff, Nährstoffen aber auch Hormonen und Immunstoffen beliefert. Andererseits werden Stoffwechsel- und Abfallprodukte abtransportiert und über Nieren und Darm ausgeschieden.

Vom Herz in die Arterien und über die Venen zurück.

Ausgehend vom Herzen leiten die Arterien das sauerstoff- und nährstoffreiche Blut durch unseren Körper. Die Gefäßwände der Arterien sind mit Muskeln durchsetzt. Diese Muskelschicht macht die Arterien elastisch, sodass sie sich mit jedem Pumpstoß bzw. Herzschlag erweitern, im Anschluss wieder zusammenziehen und so den Blutfluss unterstützen. Über haarfeine Gefäße, die sogenannten Kapillargefäße, werden Sauerstoffe und Nährstoffe abgegeben. Arterien und Venen sind über die Kapillaren miteinander verbunden. An dieser Stelle können die Venen das verbrauchte, sauerstoffarme Blut wieder aufnehmen und zurück zum Herzen leiten. Im Zuge des Stoffaustauschs entsteht außerdem Gewebsflüssigkeit, die überwiegend zusammen mit dem sauerstoffarmen Blut über die Venen aufgenommen wird. Die übrige Gewebsflüssigkeit wird über das Lymphgefäßsystem abtransportiert, das somit eng mit dem Blutkreislauf zusammenarbeitet. Genau wie das Lymphsystem übernehmen somit auch die Venen den Abtransport von körpereigenen Abfallstoffen wie z. B. Zelltrümmer oder Bakterien. Außerdem haben die Venen eine wichtige Funktion als Klimaanlage und NotfallReserve. Sie regeln über die Durchblutung der Haut unsere Körpertemperatur und speichern den Großteil unseres Blutes (etwa 80 Prozent). Mit diesem Blutspeicher wird sichergestellt, dass wir unserem Körper bei Bedarf und hoher Belastung schnell Blut zur Verfügung stellen können. Die große Herausforderung (lesen Sie hier mehr zur Venenfunktion) auf dem Rückweg zum Herzen ist, das Blut aus den Beinen entgegen der Schwerkraft nach oben zu transportieren. Der Druck, mit dem das Blut in den Blutkreislauf gepresst wird, verliert sich in den feinen Kapillargefäßen und so greifen die Venen auf andere Antriebskräfte zurück, um das Blut zurück zum Herzen zu befördern. Wieder im Herzen angekommen, wird das sauerstoffarme Blut in den Lungenkreislauf gepumpt, dort wieder mit eingeatmetem Sauerstoff angereichert, zurück in die linke Herzkammer und von dort erneut mit hohem Druck in die Arterien gepumpt. Somit beginnt der Kreislauf des Blutes von Neuem.

Venensystem – Die Venen in unserem Körper.

Das Venensystem ist Teil des Blutkreislaufs und sorgt mit einem komplexen anatomischen System dafür, dass das Blut aus den entlegensten Bereichen unseres Körpers zurück zum Herzen transportiert wird. Das Venensystem unterteilt sich in ein tiefes und ein oberflächiges Venensystem.

Das oberflächige Venensystem.

Die oberflächigen Venen liegen dicht unter der Haut. Genau genommen durchziehen sie das Unterhautfettgewebe zwischen Haut und Muskeln. Sie leiten das Blut aus den oberen Hautschichten immer in Richtung des tiefen Venensystems. Neben den weit und fein verzweigten Venen gibt es zwei große und klinisch bedeutende „Stammvenen“. Die Vena saphena magna führt an der Innenseite des Beins vom Fuß über den Unter- und Oberschenkel bis hin zur Leiste. Die zweite Stammvene, die Vena saphena parva führt von der Außenseite des Fußes über die Unterschenkel-Rückseite und mündet oberhalb der Kniekehle in die Vena poplitea. Verbindungsvenen (Perforansvenen) leiten das Blut durch die Muskeln in die Tiefe und verknüpfen so das oberflächige und das tiefe Venensystem miteinander. Jedes Bein verfügt über etwa 120 Verbindungsvenen.

Das tiefe Venensystem.

Die tiefen Venen, auch Leitvenen genannt, verlaufen tief in der Muskulatur in der Nähe der Knochen und verfügen über sehr elastische Venenwände. Das müssen sie auch, da von hier 90 % des Blutes zurück zum Herzen geleitet werden. Im tiefen Venensystem werden zudem große Blutreserven bereitgestellt, um unseren Körper bei Belastung schnell mit dem benötigten Blut beliefern zu können. Der Aufbau der Venen mit Venenklappen. Die Gefäßwand der Venen ist dünner als die der Arterien. Sie besteht aus drei Schichten:

  • Intima (= innere Schicht),
  • Media (= mittlere Schicht) und
  • Adventitia (= äußere Schicht).

Geschlossene Venenklappen verhindern den Rückfluss des Blutes. Eine dünne Muskelschicht verleiht den Venen Spannkraft. Da die Venen große Blutmengen fassen müssen, ist die Venenwand mit unnachgiebigen Bindegewebsfasern ausgestattet. Sie sollen vor Überlastung schützen. Venen verfügen in größeren Abständen über zahlreiche Klappen, die sogenannten Venenklappen. Diese müssen dafür sorgen, dass das Blut immer den richtigen Weg findet. Venenklappen unterteilen die Vene in unterschiedlich lange Abschnitte und sorgen dafür, dass das Blut in eine bestimmte Richtung und zwar in Richtung des Herzens fließt. Die Venenklappen öffnen sich, sobald das Blut von unten nach oben entgegen der Schwerkraft gepresst wird. Bei gesunden Venen schließen sich die Klappen sofort wieder, um den Rückfluss des Blutes zu verhindern. Sind die Venenklappen geschädigt, kann dies zu einem Rückstau und somit zu Krampfadern führen.

Venenfunktion – Die Triebwerke der Venen.

Anders als bei den Arterien reicht die Pumpleistung des Herzens nicht mehr aus, um die Venen beim Bluttransport zu unterstützen. So müssen die Venen jeden Tag Schwerstarbeit leisten, um das Blut aus den entlegensten Bereichen unseres Körpers zurück zum Herzen zu transportieren. Ein ausgeklügeltes Pumpsystem aus verschiedenen Mechanismen hilft dabei, die Schwerkraft zu überwinden.

Die Wadenmuskel-Pumpe.

Das Herz pumpt bei einem erwachsenen Menschen täglich rund 7.000 Liter Blut in die Arterien. Diese Blutmenge muss auch über die Venen zurück zum Herzen transportiert werden. Aufgrund unserer aufrechten Körperhaltung benötigen die Venen einen zusätzlichen Pumpmechanismus, der das Blut aus den Beinen nach oben zum Herzen transportiert. Hierfür kommt die „Wadenmuskel-Pumpe“ der Beinmuskulatur (lesen Sie hier mehr über unsere Muskeln), auch „Muskel-VenenPumpe“ zum Einsatz. Sie hat die wichtigste Funktion beim Blutrücktransport, da die Beinvenen den längsten Weg zum Herzen haben.

So funktioniert die Wadenmuskel-Pumpe: Durch die Bewegung des Beins werden die Wadenmuskeln immer wieder angespannt und entspannt. Die Muskelbäuche werden dick und pressen dabei die zwischen den Muskeln liegenden tiefen Venen zusammen. Die Venen verengen sich, das Blut hat weniger Platz sich auszubreiten und fließt schneller entgegen der Schwerkraft Richtung Herz. Durch Anspannung der Muskeln wird das Blut nach oben gedrückt. Bei jeder Muskelbewegung wird das Blut so durch die Venenklappen in die nächste Kammer der Vene transportiert.

Die Venenklappen.

Damit das Blut in der Entspannungsphase der Muskulatur nicht wieder zurücksackt, verschließen eine Vielzahl sogenannter Venenklappen einzelne Abschnitte des Venensystems. Die Anzahl der Venenklappen in den unterschiedlichen Venen variiert von 2 bis zu 20 Klappen pro Vene. Jeweils zwei gegenüberliegende Klappen wirken wie Rückschlagventile. Fließt das Blut zum Herzen hin, so öffnen sich die Klappen und lassen das Blut ungehindert in Richtung Herz fließen. Will das Blut allerdings zurückfließen, so schließen die Venenklappen, versperren den Weg und verhindern den Blutrückfluss. Erschlaffen die Muskeln, entsteht ein Sog, der die leeren Abschnitte zwischen den Venenklappen wieder mit venösem Blut auffüllt.

Die Sprunggelenkpumpe und Fußsohlenpumpe.

Die Funktion der Wadenmuskelpumpe ist davon abhängig, dass das Sprunggelenk ungehindert beweglich ist. Außerdem zählt jeder Schritt: Beim Auftreten werden die Venen an den Fußsohlen nach oben „ausgedrückt“ und das Blut schneller nach oben gepresst.

Die Atmung.

Während wir atmen, hebt und senkt sich der Brustkorb. Gleichzeitig steigt und fällt der Druck im Brust- und Bauchraum. Dadurch wird das Blut aus den unteren Gliedmaßen sozusagen angesaugt und der Rückfluss zum Herzen unterstützt.

Venenleiden: Vorbeugung – Beugen Sie Venenproblemen aktiv vor.

Die Ursachen für Venenerkrankungen sind vielfältig. Das Spektrum reicht von vererbter oder altersbedingter Bindegewebsschwäche über Veränderungen im Hormonhaushalt (z. B. Pille, Schwangerschaft, Wechseljahre) und intensiver Sonnenbestrahlung bis hin zu beengender Kleidung. Auch Alkohol, Rauchen, Bewegungsmangel oder Übergewicht sind Risikofaktoren. Wie bei vielen Krankheiten können Sie mit ausgewogener Ernährung und Bewegung auch Venenleiden vorbeugen.

Venenleiden: Formen – Formen von Venenleiden.

Es gibt verschiedene Ausprägungen von Venenleiden, wobei sie meist alle mit den typischen Beschwerden beginnen: Schwere- und Spannungsgefühl in den Beinen begleitet von nächtlichen Wadenkrämpfen und geschwollenen Unterschenkeln. Abgesehen von diesen Symptomen sind die Venenprobleme anfänglich meist noch unsichtbar. Dennoch sollten diese Beschwerden nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Was genau sich hinter den einzelnen Krankheitsbildern – von Krampfadern bis hin zur Thrombose – verbirgt, erfahren Sie im Folgenden:

Varizen: Besenreiser und Krampfadern.

Die sogenannten Krampfadern (med.: Varizen) treten überwiegend im oberflächlichen Venensystem auf und zeichnen sich sichtbar als geschlängelte und unebene Venen im Unterhautfettgewebe ab. Sie entstehen, wenn die Venenklappen nicht mehr richtig schließen. Somit kann das Blut nicht schnell genug weiter transportiert werden und sackt immer wieder zurück. Gerade im Sitzen oder Stehen ist es so kaum möglich das Blut entgegen der Schwerkraft aus den Beinen zurück zum Herzen zu transportieren. Stattdessen staut sich das Blut in den Venen. Ohne die richtige Behandlung können Krampfadern schwere Folgeerkrankungen, wie Venenentzündungen, chronisch venöse Insuffizienz und Gefäßverschlüsse nach sich ziehen. Frühzeitig erkannt und konsequent behandelt, können bestehende Beschwerden jedoch gelindert und die Patienten vor schweren Folgeschäden geschützt werden. Im Gegensatz zu den oft stark ausgeprägten Krampfadern sind die sogenannten Besenreiser kleine und sehr feine Äderchen, die an der Hautoberfläche sichtbar werden. Meist sind sie nur wenige Zentimeter lang, haben einen Durchmesser von gerade einmal einem Millimeter und sind sehr fein verzweigt. Oft handelt es sich um ein rein kosmetisches Problem. Besenreiser können aber auch erste Anzeichen für erweiterte Gefäße und Rückflussstörungen sein. Ein Besuch beim Arzt kann klären, ob schwerwiegendere Ursachen zugrunde liegen und wie man dagegen vorgehen kann.

Venenentzündungen können chronisch werden!

Häufige Komplikation bei ausgeprägten Krampfaderleiden (med.: Varikose) sind Entzündungen der Venenwände, die durch den gestörten Blutfluss in den erkrankten und erweiterten Venen auftreten können. Als Folge der Entzündung können sich zudem Blutgerinnsel (med.: Thromben) bilden. Man kann die entzündeten Stellen sogar sehen und fühlen, da sie verhärtet und gerötet sind sowie eine übermäßige Wärme ausstrahlen und stark schmerzen. Eine Venenentzündung (med.: Phlebitis) sollte umgehend behandelt werden, da sie sich ansonsten zu einer chronischen Venenerkrankung (med.: chronisch venöse Insuffizienz) bis hin zum „offenen Bein“ (med.: Ulcus cruis) entwickeln kann. Bei einem offenen Bein (med.: Ulcus cruis) handelt es sich, wie der Name schon erahnen lässt, um eine offene Wunde am Bein. Durch die Blutstauung werden nicht mehr alle Zellen richtig versorgt, das betroffene Gewebe stirbt dadurch nach und nach ab und es entstehen offene und schwer heilende Wunden. Damit es nicht soweit kommt, sollte ersten Anzeichen von Krampfadern auf jeden Fall nachgegangen werden. Eine weitere mögliche Begleiterscheinung von Venenentzündungen ist die Thrombose. Hierbei löst sich ein Blutgerinnsel, das sich in der Vene bildet und den Blutfluss behindert. Dies kann zum Verschluss der Blutbahn durch einen Blutpfropf führen. Löst sich dieser Pfropf, besteht die Gefahr einer lebensgefährlichen Lungenembolie. Wenn Sie vermuten oder feststellen, dass mit Ihren Venen etwas nicht in Ordnung ist, sollten Sie einen Facharzt (Phlebologen oder Gefäßchirurgen) aufsuchen. Heutzutage sind Venenleiden auf vielfältige Weise behandelbar. Welche Therapie dabei angewendet wird, hängt von der Schwere der Erkrankung und natürlich von der Einschätzung des Arztes ab.

Thrombose – Blutgerinnsel sind eine akute Gefahr!

Wenn sich das Blut in den Venen staut, können sich Gerinnsel – sogenannte Thromben- an den Gefäßwänden bilden. Diese Blutgerinnsel behindern den Blutfluss und können die Blutgefäße verstopfen. Meistens entstehen Thromben in den tiefen Bein- und Beckenvenen. Starke Schmerzen und lokale Schwellungen der Beine können erste Anzeichen einer Thrombose sein. Eine Beinvenenthrombose (Phlebothrombose) ist die häufigste Form dieser Gefäßerkrankung und tritt meist aufgrund von Bewegungsmangel nach Operationen, oder bei langen Auto- und Flugreisen auf. Obwohl Thrombosen in allen Gefäßen auftreten können, sind arterielle Thrombosen deutlich seltener. Gefährlich wird es, wenn sich der Blutpfropfen löst und über den Blutkreislauf in die Lunge gelangt. Dort kann das Gerinnsel die fein verästelten Gefäße verstopfen und somit die Sauerstoffzufuhr stören, bis hin zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie.

Reisethrombose – wenn Sitzen zur Belastung wird.

Jeder Reisende ist bei mehrstündigem Sitzen in beengter Position einem erhöhten Thromboserisiko ausgesetzt. Dies gilt vor allem beim Business- oder Ferienflug, aber auch bei langen Auto-, Bus- und Zugfahrten ohne regelmäßige Pausen mit entsprechender Bewegung. Zusätzlich zu beengtem Sitzen sorgen bei Langstreckenflügen niedriger Luftdruck und geringe Luftfeuchtigkeit in der Flugzeugkabine für erhöhte Gerinnungsgefahr des Blutes. Dies kann im schlimmsten Fall zu einer Thrombose führen. Auch die häufiger auftretenden Beschwerden wie geschwollene, schwere Beine können schmerzhaft sein und einen unbelasteten Start in den Urlaub verderben.

Unbeschwert reisen.

Ein besonders hohes Risiko an einer Reisethrombose zu erkranken haben Menschen, bei denen bereits eine Thrombose diagnostiziert wurde, die kurz zuvor einen chirurgischen Eingriff hinter sich gebracht haben oder sich allgemein nur eingeschränkt bewegen können. Zur mittleren Risikogruppe gehören Schwangere, Menschen über 60 Jahren, Übergewichtige sowie besonders große (>190 cm) oder kleine Menschen

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